Bin ich als Dienstleister:in von Instagram & Co. abhängig?
Das Leid der Reichweite: Täglich posten, die neusten Algorithmen kennen, jeden Trend mitmachen? Was Instagram wirklich bringt.
"Ich müsste eigentlich täglich posten."
"Ich sollte Trends mitmachen für Viralität."
"Ohne drei Reels pro Tag und fünf Carousels pro Woche bekomme ich keine Follower.”
“Ich habe keine Lust auf Instagram. Dann habe ich halt weniger Kunden.”
Sätze wie diese kenne ich zu genüge und auch aus eigener Erfahrung. Sie sind meist gefolgt von der Aussage: “Das will ich eigentlich gar nicht.”, “Das kann ich nicht.” “Wie soll ich dafür nebenbei noch Zeit haben?”
Instagram ändert die Regeln fast täglich. Was gestern noch funktioniert hat, ist morgen schon nicht mehr wahr. Also nebst Content kreieren müssen wir auch noch die neusten Regeln für mehr Reichweite kennen. Ein Vollzeit Job.
Bist Du als Business, Creator oder einfach als interessierte Person auf Instagram unterwegs, triffst Du sehr schnell auf Personen und Marken die Dir die “beste” und “schnellste” Lösung für Reichweite verkaufen wollen. Grosse Versprechen - ohne wirkliche Geduld, gewisse Schamlosigkeit und konstante Umsetzung, eine fette Lüge. Aber natürlich ein riesengrosses Geschäft.
Die Frage dahinter bleibt: Muss ich mich dem Haifischbecken Instagram hinwerfen, um als selbständige Dienstleister:in sichtbar zu sein?
Meine ehrliche Antwort lautet: Jein.
Aber was ist überhaupt Reichweite…
Eine Reichweite auf Instagram misst die tatsächliche Anzahl an individuellen Accounts die mit meinem Account oder meinem Beitrag (Reel, Carousel, Post, Story) erreicht wurden, im Gegensatz zu den sogenannten Impressions (Aufrufe), die auch mehrfach gezählt werden können.
Die Reichweite kann verschieden kategorisiert werden:
Organische Reichweite: Accounts, die Deine Inhalte kostenlos gesehen haben. Bspw. über den Feed, Suche oder Hashtags oder weil der Beitrag über den Algorithmus vorgeschlagen wurde.
Bezahlte Reichweite: Accounts die durch geschaltete Werbeanzeigen (sogenannte Insta Ads) auf Deinen Content aufmerksam werden.
(Nicht-)Follower-Reichweite: Zeigt an, ob die Accounts bereits zu Deinen Follower:innen gehören oder durch den Algorithmus dazugekommen sind.
und wieso ist diese von Interesse?
Organische Reichweite ist interessant, weil sie das Tor zu neuen Abonnenten ist. Der Instagram Algorithmus bewertet die Inhalte dann positiv, wenn sie eine hohe Reichweite erzielen. Also zeigt das, wie gut Deine Inhalte im Vergleich zu anderen performen und ob diese Zielgruppe aktiv erreicht wird.
Schon vorweg, zu Beginn ist das ein Spiel zwischen Trial und Error. Also ausprobieren und lernen. Auch Likes oder Follower sind nett aber sie alleine sind kein Indikator, dass jemand dann auch Dein Angebot kauft. Follower sind eben nicht gleich Kundinnen und Kunden. Du kannst durchaus mit 100 Followern mehr Umsatz machen als mit 1’000.
Der Stress entsteht vor allem durch die Content-Marketing-Kultur rund um diese Plattformen. Social Media Sternchen die tägliches Posten als einzigen Erfolgsweg propagieren. Creators, die scheinbar rund um die Uhr präsent sind und Algorithmus-Mythen, die suggerieren, dass jede Pause sofort zu Reichweiteverlust führt.
Der Algorithmus bestraft nicht automatisch jede Unterbrechung – er bevorzugt Inhalte, die Menschen tatsächlich binden - also ob sie bleiben, teilen, speichern, liken und kommentieren etc. - unabhängig davon, ob sie im Sieben-Tage- oder im Zwei-Wochen-Rhythmus erscheinen.
Was Dienstleistende wirklich brauchen – und was nicht
Als einzelne:r Dienstleister:in verkaufst Du in der Regel Vertrauen, Expertise und persönliche Unterstützung. Das verändert, wie Instagram für Dich funktioniert, im Vergleich zu bspw. einer Agentur.
Was wirklich zählt:
Aussagekräftige Inhalte, die Deine Positionierung und Expertise klar zeigen und Mehrwert schaffen
Konsistenz über Wochen und Monate hinweg, nicht Frequenz von Tag zu Tag
Inhalte, die tatsächlich zu einer Anfrage oder einem nächsten Schritt führen, statt nur Reichweite zu generieren - also einem sogenannten Lead und Verkaufsangebot
Deine Interaktionen (kommentieren, liken) von anderen Accounts die Deinem ähnlich sind.
Die Verwendung von in Deiner Branchen, in Deinem Gebiet wichtige Schlag-/Schlüsselwörter um eben den Algorithmus anzuregen
Was meistens nicht nötig ist:
Tägliches Posten, ohne Mehrwert, ohne Direktansprache Deiner Zielgruppe
Jeden Trend verfolgen, jedes virale Format, nur weil es gerade bei anderen zu “funktionieren” scheint - überhaupt ist Viralität nicht zentral
Ein geschlecktes und makelloses Profil (ja das schmerzt manche - mich auch)
Ständige Erreichbarkeit in den Kommentaren und DMs ausserhalb festgelegter Zeiten
Ein System statt eines Hamsterrads
Die Lösung die man auch über Monate hinweg aufrecht erhalten kann, ist nicht "mehr posten", sondern ein System, das Content planbar und wiederholbar macht, ohne dass man sich jedes Mal neu erfinden muss. Ein Planungs-Tag pro Monat, oder ein paar Stunden pro Woche, ein wiederkehrendes Themenraster, stimmige Inhalte und feste Zeiten für Follower-Interaktion ohne ständige Verfügbarkeit.
Zurück zur Frage “Bin ich als Dienstleister:in von Instagram & Co. abhängig?”
Instagram kann ein äusserst wirkungsvolles Werkzeug für Sichtbarkeit und Wachstum sein. Wenn man gewisse Regeln befolgt, dranbleibt und funktionierende externe Verknüpfungen und Call to Action ergänzt. Es muss aber nicht zum Ort werden, an dem man seine Authentizität und auch Nerven verliert um erfolgreich zu sein. Ausserdem gibt es noch weitere Werkzeuge die je nach Angebot sinnvoll sein können wie LinkedIn, Tiktok und facebook oder die gute alte Direktansprache sowie das Netzwerk natürlich.
Folgende Fragen würde ich mir also stellen: "Was ist die minimale, aber wirkungsvollste Präsenz, mit der ich langfristig zufrieden leben kann und mir als Dienstleister:in den maximalen Rücklauf bringt ohne das ich eine Agentur beauftragen muss?"
Ich habe zu Beginn einfach angefangen zu posten, Dinge die mir wichtig waren in Zusammenhang mit meiner Arbeit. Ich habe täglich meine Gedanken, meine Erfahrungen und auch kostenlose Angebote geteilt. Zur Analyse habe ich Carousels gemacht mit Mehrwert, ohne sichtbaren Mehrwert aber Zielgruppen orientiert. Ich habe Test-Reels und Reels gepostet, mit mir, ohne mich, gesprochen oder nur mit Text und dann auch ganz einfache Posts und alles analysiert. Ich habe selbst gelernt was funktioniert und lerne weiterhin. Mittlerweile habe ich das organische Wachstum angeregt und begrüsse seit Ende Juli täglich 2-3 neue Follower. Für meinen noch jungen und kleinen Account mit einem äusserst moderaten Aufwand, sehr befriedigend.
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