Warum wir Vorbilder brauchen.
Vorbilder als Orientierung: Wann und in welcher Form Vorbilder Sinn machen.
"Ich mache mein eigenes Ding, ich brauche keine Vorbilder." Das war so ziemlich ich bis vor kurzem.
Diese Einstellung übersieht etwas Wesentliches: Vorbilder sind kein Widerspruch zu einem eigenen Weg. Sie sind oftmals die Voraussetzung dafür, ihn überhaupt zu erkennen.
Warum wir Vorbilder brauchen, um Möglichkeiten zu sehen
Unser Gehirn orientiert sich stark daran, was es bereits gesehen hat. Was wir noch nie gesehen haben, erscheint uns oft nicht als Option – nicht, weil es unmöglich wäre, sondern weil unser Denken schlicht nicht dorthin denkt, wo kein Beispiel existiert. Eigentlich schade, weil es manchmal unter unserem Potenzial leben lässt.
Genau hier liegt die eigentliche Funktion eines Vorbilds: Es macht etwas, das vorher abstrakt oder unerreichbar wirkte, plötzlich konkret. "Wenn diese Person das geschafft hat, dann ist es offenbar möglich" – dieser einfache Gedanke verändert, was wir uns selbst zutrauen.
Der Unterschied zwischen Vorbild und Kopie
Ein Missverständnis, das viele davon abhält, bewusst Vorbilder anzuerkennen: Zugeben, dass wir auf jemanden zu sehr “hochblicken” oder jemandem nacheifern, seine Art, sein Leben etc. bemerkenswert finden.
Man kann von einer Person die Konsequenz übernehmen, von einer anderen die Klarheit in der Kommunikation, von einer dritten den Umgang mit Kritik – ohne dabei die eigene Persönlichkeit zu verlieren. Ein Vorbild liefert Bausteine, kein fertiges Modell zum Nachbauen. Und das Hochblicken könnte doch auch auf Augenhöhe geschehen, egal wie viel mehr Erfahrung diese Person mitbringt.
Warum unterschiedliche Vorbilder für unterschiedliche Bereiche sinnvoll sind
Ein einzelnes Vorbild, das in jeder Hinsicht perfekt erscheint, existiert selten. Sinnvoller ist es, verschiedene Vorbilder für verschiedene Bereiche zu wählen: jemanden für den Umgang mit Rückschlägen, jemanden anderen für den unternehmerischen Weitblick, wieder jemand anderen für die Art, wie er oder sie Beziehungen führt, kommuniziert, auf seine/ihre Gesundheit achtet etc.
Diese Aufteilung nimmt den Druck, eine einzelne Person zu idealisieren – und macht gleichzeitig deutlich, dass niemand in allen Lebensbereichen gleichzeitig vorbildlich sein muss, um in einzelnen Aspekten wertvolle Orientierung zu bieten.
Warum auch "unperfekte" Vorbilder wertvoll sind
Oft suchen wir instinktiv nach makellosen Vorbildern – Menschen, die scheinbar alles richtig gemacht haben. Dabei sind gerade die Vorbilder, die offen über ihre Fehler, Umwege und Rückschläge sprechen, oft wertvoller. Sie zeigen nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin – inklusive der Phasen, die nicht nach Erfolg aussehen.
Das ist besonders wichtig für Menschen, die selbst am Anfang eines grossen Umbruchs stehen. Ein Vorbild, das nur den fertigen Erfolg zeigt, wirkt oft entmutigend, weil der eigene aktuelle Stand so weit entfernt scheint. Ein Vorbild, das auch den Prozess zeigt, macht den eigenen Weg greifbarer.
Wie Du Vorbilder für Dich nutzt, statt Dich an ihnen zu messen
Konkret benennen, was genau Du an einer Person bewunderst. "Ich finde sie inspirierend" bleibt ungenau. "Ich bewundere, wie ruhig sie mit Kritik umgeht" wäre bspw. eine gute Orientierung.
Vorbilder als Beweis nutzen, nicht als Vergleich. Die Funktion eines Vorbilds ist zu zeigen, dass etwas möglich ist – nicht, wie weit Du selbst noch davon entfernt bist.
Auch im eigenen Umfeld nach Vorbildern suchen. Nicht nur bekannte, öffentliche Personen zählen. Oft finden sich wertvolle Vorbilder auch im direkten Umfeld – eine Bekannte, eine frühere Kollegin, jemand, dessen Weg man aus der Nähe verfolgen konnte.
Vorbilder als Wegweiser, nicht als Ziel
Vorbilder erfüllen ihre beste Funktion, wenn sie als Wegweiser dienen – als Beweis dafür, was grundsätzlich möglich ist – statt als endgültiges Ziel, das es zu erreichen oder zu übertreffen gilt. Der eigene Weg bleibt dabei trotzdem der eigene, auch wenn er von anderen mitgeprägt wurde.
In meinem Fall, habe ich mittlerweile X Vorbilder die mir viele gute Beispiele geben. Einen dafür wie er sich in Konfliktsituationen verhält, einen wie er führt oder ein grosses Arbeitsvolumen meistert, einen sogar für wie er bestens nach der 80/20 (in seinem Falls sogar 60/40) Prinzip funktioniert und mehrere Frauen, die mir in ganz vielen Bereichen Wegweisung geben in der Art wie sie Dinge tun. Und dann gibt es noch viele Personen die ich einfach so sehr schätze - aller Alterskategorien - weil sie mich mit ihren Gedanken immer wieder anregen und abholen.
Eine ziemlich grosse Kehrtwendung also von keinem Vorbild zu einer ganzen Sammlung an Inspirationen ;))