Wie viel Authentizität erträgt meine Selbständigkeit?

KI generiertes Bild

Echtheit oder Unprofessionalität: Wie viel Persönlichkeit Du als Selbständige:r zeigen solltest – und wo die sinnvolle Grenze liegt.

"Sei einfach authentisch" gehört zu den meistgehörten Ratschlägen vom Umfeld und von gewissen Online Coaches. Was bedeutet Authentizität konkret? Wie viel von all Deinen Facetten gehört in Dein Business und wo sind die Grenzen?

Dieses Thema taucht bei fast allen meinen Klienten und Klientinnen irgendwann mal auf: Darf ich erzählen, dass ich gerade eine schwierige Phase habe? Darf ich zeigen, dass nicht immer alles glattläuft? Oder wirkt das unprofessionell?

Authentizität ist kein Alles-oder-Nichts

Authentizität bedeutet nicht, alles zu teilen. Jeden Gedanken, jede Krise, jede private Entwicklung. Das, was Du zeigst, sollte zwar mit dem übereinstimmen, was Du tatsächlich denkst und lebst, aber es bedeutet nicht, dass Du alles zeigen musst, was Du denkst und lebst.

Diese Unterscheidung entlastet irgendwie. Du musst nicht Dein ganzes Innenleben öffentlich machen, um authentisch zu wirken. Es reicht, dass das, was Du zeigst, echt ist – nicht, dass es vollständig ist.

Die drei Bereiche, die zu unterscheiden sind

Ich würde Authentizität in drei Bereiche aufteilen.

Deine Werte und Haltungen – Das, wofür Du stehst, wie Du arbeitest, was Dir wichtig ist. Dieser Bereich darf und sollte sehr sichtbar sein. Er ist der Kern Deiner Positionierung, gehört zu Deiner Marke und ist der Grund, warum Menschen mit Dir statt mit jemand anderem arbeiten möchten.

Deine Erfahrungen und Lernprozesse – Rückblickende Einblicke, was Du selbst durchgemacht oder gelernt hast. Dieser Bereich ist für Deine Zielgruppe besonders interessant, weil sie Verbindung schafft ohne das Du Dich in einer aktuellen Verletzlichkeit zu stark zeigen musst (und Dich damit auch gefährlich angreifbar machst).

Deine aktuellen Emotionen und Gefühle – Was gerade in Dir vorgeht, unverarbeitet. Diese Ebene ist aus meiner Sicht nicht Konform mit einem professionellen Business Auftritt. Nicht, weil diese Gefühle und Emotionen nicht sein dürfen, sondern weil Menschen wenn es darum geht von Dir eine Leistung zu beziehen, zu jederzeit das Anrecht auf Professionalität und Seriosität haben. Die Verarbeitung von Emotionen kann vielleicht - mit Vorsicht - mal in einer Social Media Story Platz finden, sollte aber in der Arbeit mit Deinen Kundinnen und Kunden nicht von Relevanz sein.

Ein hilfreicher Ansatz vielleicht: Verarbeitete Erfahrungen eignen sich für Dein Business. Unverarbeitete gehören erst einmal in Dein privates Umfeld oder ins Journal, bevor sie – wenn überhaupt – zu Content werden. Das bedeutet nicht, dass Du warten musst, bis alles perfekt aufgeräumt ist. Aber ein gewisser Abstand zum Erlebten macht den Unterschied zwischen Reflexion und purer Emotion.

Warum völlige Zurückhaltung genauso wenig funktioniert

Auf der anderen Seite: Wer sich komplett hinter der professionellen Fassade versteckt, wirkt oft distanziert statt vertrauenswürdig – gerade in einem Bereich wie Coaching, wo Vertrauen die Basis jeder Zusammenarbeit ist. Menschen entscheiden sich selten nur wegen der fachlichen Qualifikation für eine:n Berater:in. Sie entscheiden sich auch, weil sie eine Vorstellung davon haben, wer diese Person ist.

Eine Frage, die hilft, die eigene Grenze zu finden

Bevor Du etwas Persönliches teilst, kann diese Frage helfen: Teile ich das, weil es meiner Zielgruppe dient – oder weil ich gerade selbst Bestätigung bei der Verarbeitung brauche?

Beides ist legitim als menschliches Bedürfnis. Aber die zweite Motivation gehört selten in den öffentlichen Business-Content. Sie verdient einen anderen Raum – ein Gespräch, ein Journal, eine Therapie oder ein Coaching für Dich selbst.

Authentizität als bewusste Entscheidung, nicht weil man es einfach macht

Authentizität im Business ist nun weniger eine Frage von "viel oder wenig zeigen", sondern eine Frage bewusster Entscheidungen: Was dient meiner Positionierung? Was schafft echte Verbindung? Und was gehört – zumindest im Moment – noch nicht in die Öffentlichkeit?

Diese Klarheit entsteht im Prozess, in dem Du lernst, Dich, Dein Business, Deine Zielgruppe und Deine Grenzen gut zu kennen.


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Was ich von einem Ultramarathon für meine Selbständigkeit gelernt habe