Welche Meinung Dich als Unternehmer:in interessieren sollte.

Nicht jede Meinung verdient Deine Aufmerksamkeit: Wie du entscheidest, welchene Rat Du auf Deinem Weg in die Selbständigkeit annehmen und auf welchen Du verzichten solltest.

Wichtige Entscheidungen wie Kündigungen, das erste eigene Angebot, ein Preis, der Markkonform sein soll – passiert bei vielen dasselbe: Man fragt Familie, Freundinnen, Kollegen, manchmal auch Menschen, die man kaum kennt. Auf der Suche nach Bestätigung und Einschätzungen.

Nicht jede Meinung, die Du bekommst, verdient das gleiche Gewicht. Und wen Du fragst, beeinflusst leider oft mehr als Du denkst, was Du am Ende entscheidest.

Warum wir überhaupt fragen

Bevor es um die Auswahl der richtigen “Anlaufstelle” geht, lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, warum wir überhaupt fragen. Denn geht es nicht weniger um echten Informationsbedarf als um das Bedürfnis nach Sicherheit – wir hoffen, dass jemand unsere Entscheidung bestätigt, damit sich das Risiko kleiner anfühlt.

Das ist wohl ein menschliches Muster. Es wird einfach dann problematisch, wenn wir die Meinung anderer mit der eigenen Klarheit verwechseln – und am Ende eine Entscheidung treffen, die mehr auf fremder Zustimmung basiert als auf der eigenen Überzeugung und - bewahre - eher Business hinderlich ist als förderlich.

Drei Fragen an Dich selbst, bevor jemand um Rat gefragt werden sollte

Hat diese Person Erfahrung zum Thema, worüber ich sie frage? Die Meinung eines Menschen ohne eigene Selbständigkeits-Erfahrung zu Deiner Preisgestaltung ist selten hilfreich - auch nicht dann wenn diese Person selbst schon eine solche Dienstleistung bezogen hat. Für den Endkunden ist günstig immer attraktiver. Ihr fehlt schlichtweg die Erfahrung, um die Situation realistisch einzuschätzen.

Ist diese Person emotional unbeteiligt genug, um ehrlich zu sein? Eltern, Partner:innen oder enge Freunde haben oft ein starkes Interesse daran, dass es Dir gutgeht – was manchmal dazu führt, dass sie eher zur Vorsicht raten, selbst wenn das nicht die beste Option ist. Ihre Sorge ist echt, aber keine konstruktive Entscheidungsgrundlage. Denke auch daran, dass ausstehende Bekannte und Freunde Dich als Privatperson kennen aber vielleicht nicht wissen wie Du arbeitest. Es kann sein, dass Sie Deine Expertise durchaus auch in Frage stellen können und Dich nicht richtig einschätzen.

Möchte ich wirklich eine andere Perspektive – oder nur Bestätigung? Diese Frage ist wichtig. Wenn Du insgeheim schon weisst, was Du willst, und nur noch jemanden suchst, der "Ja" sagt, ist das kein Feedback-Prozess mehr, sondern eine Bestätigungs-Suche.

Also, nun zu wen Du eher NICHT fragen solltest

  • Menschen, die selbst nie ein Risiko in diese Richtung eingegangen sind. Ihre Einschätzung basiert meist auf Angst vor dem Unbekannten, nicht auf Erfahrung.

  • Menschen mit einem eigenen Interesse am Ausgang. Ein Partner, der sich finanzielle Sicherheit wünscht, ein Elternteil, das sich Sorgen macht – ihre Meinung ist verständlich, aber selten neutral.

  • Zu viele Menschen gleichzeitig. Je mehr unterschiedliche Meinungen du einholst, desto diffuser wird meist das Bild – und am Ende fühlst Du dich oft unsicherer als vorher, nicht sicherer.

Wen du EHER fragen solltest

  • Menschen mit direkter Erfahrung in genau Deiner Situation – andere Selbständige, idealerweise in einer ähnlichen Phase oder aus der ähnlichen Branche.

  • Eine neutrale, professionelle Instanz – ein Coach, eine Mentorin, jemand, der kein persönliches Interesse am Ausgang hat, aber Erfahrung mit dem Prozess.

  • Dich selbst, mit etwas Abstand. Oft ist die beste Antwort nicht die einer anderen Person, sondern die eigene, nachdem der erste emotionale Impuls abgeklungen ist.

Die Meinung, die am meisten zählt

Andere Meinungen können informieren, herausfordern und neue Blickwinkel öffnen. Die wichtigste Stimme in diesem Prozess ist am Ende jedoch Deine eigene – nicht, weil andere Perspektiven wertlos wären, sondern weil Du der- oder diejenige bist, die mit der Entscheidung leben muss.

Das bedeutet nicht, dass Du niemanden fragen sollst. Es bedeutet, bewusst zu wählen, wen Du fragst – und warum. Genau das ist der Unterschied zwischen einer Entscheidung, die Dich stärkt, und einer, die Dich zunehmend von Deinem eigentlich Ziel entfernt.


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